Seemotive:

Der America's Cup!
Der Cup, Captain Hank Haff und seine crew beim Setzen des
745 qm Großsegels, 1895 Sieger mit der 'Defender'.



Der America's Cup, erstellt von einem Londoner Juwelier, war eine Regatta-Trophähe des englischen Royal Yacht Squadron für den Gewinner des '100 Guinea Cup, Round the Island Wight' im Jahre 1851. Der Schoner 'America' wurde von einer Gruppe reicher New Yorker in Auftrag gegeben, die etwas gegen die britische Vorherrschaft beim Yachtsport unternehmen wollten. Das Schlagwort -Britannia rules the waves (Britannien beherrscht die See)- war tief verwurzelt im britischen Selbstverständnis und dagegen wollten die New Yorker etwas machen.

John C. Stevens, Kommodore und Gründer des New York Yacht Clubs stellte ein Syndicat zusammen, dessen Aufgabe es war ein neues Boot zu finanzieren. Sie wollten demonstrieren, daß amerikanische Yachten mit ihren Skippern in der Lage waren die Engländer zu schlagen.


In jenen Tagen waren die Lotsen-Schoner die schnellsten Boote. (Die Lotsen segelten den einlaufenden Schiffen entgegen und wer zuerst da war bekam den Auftrag!) Folglich wurde die 'America' als Schoner entworfen mit einer Länge über alles von 31,15m, Breite 6,85m, Tiefgang 3,35m, 170 tons, 2 Masten, der hintere war 29m hoch und 490 qm Segelfläche (Baumwolltuch). Als die Engländer von diesem Projekt hörten luden sie die Amerikaner nach Cowes ein. Die 'America' segelte über den Atlantik, legte einen Überholungsstop in Le Havre ein und überquerte dann den Englischen Kanal. Als sie sich der englischen Küste näherte kam ihnen der Kutter 'Laverock' entgegen, eines der schnellsten und neuesten Boote in britischen Gewässern.
Die Amerikaner wollten sich dem anbahnenden Wettsegeln entziehen aber die 'Laverock' fuhr absichtlich ihren Kurs. Schließlich nahmen die Amerikaner die Herausforderung an und zu ihrer eigenen Verblüffung überholte die 'America' die 'Laverock' mit Leichtigkeit.
Von Land aus beobachte die britische Yachtsport-Elite dies Ereignis und war mehr als überrascht. Das Ergebnis war, daß kein englisches Boot bereit war ein Rennen gegen die 'America' zu riskieren. Als aber die 'Times' einen Artikel über die ängstliche Britische Yachtsportszene geschrieben hatte wurde die 'America' zum Start beim '100 Guinea Cup' rund um die Insel Wight (siehe den 53 Meilen Kurs auf der Marke links) eingeladen. 15 Yachten waren am Start. Obwohl sie von unterschiedlicher Größe und Typ waren (47 bis 392 tons) gab es keine Handicap Klausel. In jener Zeit lagen alle Boote beim Start vor Anker und hatten ihre Segel noch unten. Die 'America' war das langsamste Boot beim Start, aber dann spielte sie ihre Segeleigenschaften aus und kam als erste ins Ziel.
Eine Legende erzählt, daß die Königin Victoria das Rennen von ihrer Yacht aus beobachtete und ihr gefiel das Resultat garnicht. In der Hoffnung auf etwas Verbesserung erkundigte sie sich nach dem Zweiten. Darauf kam die berühmte Antwort: 'Eure Majestät, da ist kein Zweiter.' Das Siegerboot 'America' wurde verkauft aber der Cup erhielt seinen Platz in der Residenz des New Yorker Yacht Clubs.


Regeln und Bestimmungen für die Cup-Regatten wurden von dem siegreichen Syndikat in einer Geschenkurkunde ('Deed of Gift') formuliert als sie den Cup an den New York Yacht Club übergaben. Später wurden diese Regeln mehrfach geändert. In der Urkunde steht der Satz, daß der Cup immer ein Herausforderungs-Cup für einen freundlichen Wettbewerb zwischen fremden Ländern sein solle. Aber es trat oft das Gegenteil ein. Heftige Auseinandersetzungen bis hin zu Gerichtsentscheidungen sollten folgen. Die Amerikaner formulierten die Regeln stark zu ihren Gunsten. So entschieden sie, daß der nächste Herausforderer über den Atlantik segeln sollte und gegen 14 Verteidiger antreten müsse, genauso wie bei der 'America' 1851.
Eine lange Zeit fand sich kein Herausforderer. Das nächste, erste America's Cup Rennen fand 1870 statt. Der Brite James Ashbury segelte mit seinem Schoner 'Cambria' nach New York und erreichte in der Regatta den 10. Platz. Sieger wurde das amerikanische Boot 'Magic'.


Im folgenden Jahr begann Ashbury eine Regeldiskussion und sie wurden dann auch geändert. Ein Herausforderer gegen einen Verteidiger und eine Serie von 7 Rennen. Aber die Amerikaner sicherten sich den Vorteil, daß sie das Verteidigerboot vor jedem Rennen aus einer Gruppe von 4 Booten auswählen konnten. So konnten sie verschiedene Boote zu der Gruppe zusammenstellen, eines für leichte Winde und ruhige See, ein Schwerwetterboot etc. Dies war nun alles andere als 'fair play', aber Ashbury hatte das Cup-Fieber gepackt und er ging an den Start und verlor wieder. Er verbuchte einen Sieg für seine 'Livonia', vier Siege gingen an die amerikanischen Boote 'Columbia' und 'Sappho'.
In den Jahren 1876 bis 1887 folgten 5 erfolgreiche Cup Verteidigungen durch die Amerikaner. Über das nächste Rennen wurde 3 Jahre diskutiert und palavert. Die Regeln wurden wieder geändert. Ein Konfliktpunkt lag in der Länge der Wasserlinie und dem Ballast. Jeder Herausforderer mußte nun 10 Monate vor den Rennen die genauen Maße seines Schiffes melden mit Angaben zum Rigg und den Segeln. So hatten die Amerikaner ausreichend Zeit ein entsprechendes 'Gegenstück zu preparieren'. Die Angabe der Länge der Wasserlinie zum Renntag hielten englische Segler wegen des wechselnden Ballastanteils für unmöglich und nannten diese Bestimmung Betrug.


Der irische Earl of Dunraven und seine Yacht 'Valkyrie II' kämpften 3 Rennen gegen die die amerikanische 'Vigiliant' aber sie verloren alle drei. Das war im Jahre 1893. Zwei Jahre später kam Dunraven mit seiner 'Valkyrie III' wieder. Er verlor erneut in drei Rennen gegen die amerikanische 'Defender'. Nach dem ersten Rennen legte Dunraven einen Protest gegen die Länge der Wasserlinie auf der 'Defender' ein und einen weiteren Protest gegen die Vielzahl der Zuschauerboote, die ihn behindert hätten. Im zweiten Rennen wurde die 'Valkyrie III' disqualifiziert weil sie der 'Defender', die Wegerecht hatte, die Stenge absegelte und dort eine neue erst gesetzt werden mußte (siehe Marke links, die 'Valkyrie III' vor der 'Defender'). Und im dritten Rennen protestierte Dunraven erneut gegen die Menge der Zuschauerboote und fuhr das Rennen nicht zu Ende. Danach brach ein Pressekrieg zwischen englischen und amerikanischen Zeitungen quer über den Atlantik aus.


Von 1899 bis 1930 herrschte keine 'Feindschaft' zwischen amerikanischen und britischen Seglern. Fünf große Cup Rennen wurden gesegelt und fünf mal hieß der Herausforderer Sir Thomas Lipton. Sir Thomas verlor fünf mal mit britischem 'fair play', d.h. ein immer freundlicher Mann protestierte nicht und führte keine langen Diskussionen, sondern ging sofort das nächste Rennen an. Lipton, geboren in einer sehr armen Familie, baute ein weltweites Tee Imperium auf. Mit den Cup Herausforderungen verband er auch Reklame für seinen Tee in Amerika zu machen. Die Namen seiner Yachten waren 'Shamrock' (schott. Kleeblatt), 'Shamrock II' bis 'Shamrock V'. 1920 gewann die 'Shamrock IV' mal 2 Rennen aber am Ende hatte die amerikanische 'Resolute' 3-2 gewonnen. Bei allen anderen Rennen lagen die Amerikaner vorne. Aber Lipton war ein Mann der nicht aufgab und die Amerikaner und ihre Presse liebten ihren 'Sir Tea'.
Harold Vanderbilt, der Sieger der Cup-Serie 1930 sagte: 'Die Stunde des Triumphes, unsere Stundes des Sieges ist gemischt mit Traurigkeit. Tief im Herzen fühlen wir alle mit diesem großen, alten Sportsmann!' Lipton wollte es erneut versuchen, aber 1931 starb er, 81 Jahre alt. Auf der Marke rechts sehen wir Lipton mit seiner 'Shamrock IV'.


Von 1934 bis 1980 verteidigten die Amerikaner insgesamt neunmal erfolgreich ihren Cup. Aber im Jahre 1983 war es dann soweit. Der New York Yacht Club verlor zum erstenmal den Cup. Es waren die knappesten Rennen in der Geschichte des Cups und der Sieger stand erst nach Ablauf aller sieben Regatten fest. Dennis Connor und seine 'Liberty' gewannen die ersten beiden Rennen. John Bertrand mit der 'Australia II' das Dritte. Die Amerikaner gewannen das vierte Rennen, wußten aber um ihre Schwäche bei leichten Winden. Der zwei Punkte Vorsprung der Amerikaner war nach dem 6. Rennen weg, 3-3.
Und nach dem siebenten Rennen war der Cup in australischen Händen. Die 'boys' der 'Australia II' siegten mit einem 41 Sekunden Vorsprung und beendeten damit die wohl längste Siegeserie in der Geschichte des Sports (links 'Australia II, KA-6).


1986 erschienen 13 Herausforderungsboote vor Fremantle. Die Vuitton Cup Serie, um den besten Herausforderer zu ermitteln, gewann Connor mit seiner 'Stars and Stripes' (Marke rechts). Und er hatte keine Mühe den australischen Verteidiger 'Kookaburra III' mit 4-0 zu besiegen. 1987, nach nur 4 Jahren kehrte der Cup nach Amerka zurück und zwar zum San Diego Yacht Club. Im gleichen Jahr reichte der Neuseeländer Michael Fay seine Herausforderung ein. Er meldete ein Boot an, daß die doppelte Größe einer herkömmlichen 12-Meter Yacht hatte.
Er bestand darauf, daß die Regatten in den nächsten 10 Monaten abzuhalten sind, so wie es in der alten Urkunde steht. Als die Offiziellen des San Diego Yacht Clubs die Herausforderung für ungültig erklärten zog Fay vor das Gericht und gewann die erste Runde. Der Rennbeginn wurde auf September 1988 festgesetzt.
Fay erschien mit seinem 'big boat', der 133-Fuß großen 'New Zealand'. Die Amerikaner bauten einen 60-Fuß Katamaran, eine neue 'Stars and Stripes'. Der Katamaran besiegte die 'New Zealand' leicht mit 2-0. Aber Fay ging nun vor das oberste New Yorker Gericht, den Supreme Court. Die Auseinandersetzung endete erst im April 1990. Der San Diego Yacht Club wurde zum Gewinner erklärt. Dies war wohl einer der Tiefpunkte in der Geschichte des America Cup.


Auf der Marke sehen wir Connor mit dem Katamaran. Connor ist einer der bekanntesten Segler in der Cup Geschichte. 1980 gewann er seinen ersten Cup mit der 'Freedom' gegen 'Australia' 4-1, 1983 verlor er mit der 'Liberty' gegen 'Australia II' 3-4, 1986-87 gewann er mit der 'Stars and Stripes' den Cup zurück gegen die 'Kookaburra III' 4-0, 1988 folgte die erfolgreiche Verteidigung mit dem Katamaran gegen die 'New Zealand' 2-0. Im Jahre 1992 verlor er in der Serie zur Ermittlung des Verteidigers gegen Bill Kochs 'America 3', die späteren Cupgewinner. 1995 gewann er die Verteidigerserie mit seiner 'Young America', aber er verlor den Cup gegen Kiwi's 'Team New Zealand' 0-5. Und 1999-2000 war er wieder dabei, konnte sich aber in der Herausforderer Serie nicht durchsetzen.


Im Jahre 1983 reichten 7 Yacht Clubs aus 5 Ländern ihre Herausforderung ein. Durch diese Anzahl wurde es erforderlich eine Regattaserie einzurichten um den besten Herausforderer zu ermitteln. Die Louis Vuitton Company, ein weltbekannter Hersteller von Gepäckstücken (,der erste Louis Vuitton war Koffermacher in Paris) organisiert und sponsert diese Serie. So wurde sie auch Louis Vuitton Cup genannt.
1995 wurde der Citizen Cup erfunden um die Verteidiger-Auswahl ebenfalls in Regattenserien zu ermitteln. Der Sponsor war die Citizen Watch Co. of America. Auf der Marke sehen wir die Rennkurse vor der australischen Küste bei Fremantle, 1987.


   
J-Klasse 12-Meter Klasse IACC, International
America's Cup Class

Zu Beginn der Historie des Cup's segelten große Schoner mit zwei Masten gegeneinander (siehe 'America' Marken). Zum Beispiel hatte Ashbury's 'Livonia' eine Länge von 39m und 1700 Quadratmeter (qm) Segelfläche. Seit 1881 segelten Boote mit einem Mast mit Gaffelrigg und mehreren Vorsegeln (siehe 'Resolute', Nevis Marke oben). Die 'Columbia', Siegerin 1899 und 1901, hatte eine Länge von 40m und eine Segelfläche 1220 qm. Von 1930 bis 1937 wurden die Boote nach den Regeln der internationalen 'J'-Klasse gebaut (Yacht-Klassen wurde nach dem Alphabet durchnummeriert). Auf der linken Marke sehen wir den Gewinner von 1930, die 'Enterprise'. Sie hat kein Gaffelsegel mehr um höher am Wind segeln zu können, Länge über alles 37m, Segelfläche 705 qm. Von 1958 bis 1987 war die 12-Meter Klasse die Basis, ganz einfach weil die 'J'-Klasse recht teuer war. Als Beispiel dazu sehen wir in der Mitte die 'Freedom', Sieger 1980, Länge 19,5m, Segelfläche Groß- und Vorsegel 600qm, mit Spinnaker 750 qm. Seit 1992, nach dem Desaster mit Fay's 'big boat' wurde die IACC, die International America's Cup Class entwickelt. Nun beträgt die Länge über alles 22,5m (Wasserlinie 17,1m), Segelfläche 900qm, mit Spinnaker 1350qm. Auf der rechten Marke sehen wir eine Segelschnitt Demonstration der 'America 3', Sieger 1992.


Der America's Cup wird als 'match race' gesegelt. Das ist in der sogenannten Schenkungsurkunde, den 'Deed of Gift' des New York Yacht Club so definiert. Das bedeutet daß zwei Boote gegeneinander segeln so wie in einem Tennismatch sich zwei Gegner gegenüberstehen. Dies ist ein Unterschied zur sogenannten 'Flotten-Regatta', in der viele Boote im gleichen Rennen starten. Die Taktik spielt bei den 'Matchraces' eine größere Rolle als bei einer Flottenregatta. So segeln die Boote fast immer dieselben Kurse, jeder beobachtet den anderen, jeder versucht in Luv zum anderen zu kommen um ihm den 'Wind wegzunehmen', d.h. mit den eigenen Segeln abzudecken. Auf der Marke sehen wir zwei Boote auf Kreuzkursen.


Auf dieser Postkarte sehen wir den revolutionären Flügelkiel der 'Australia II', dem Sieger 1983. Der Kiel wurde insgeheim auf einer holländischen Versuchsstation getestet und rief lauten Protest bei den Mitbewerbern hervor. Aber die Regel-Kommission entschied zu Gunsten der Australier und das neue berühmte Boot dominierte die Herausforderer Serie beim Gewinn des Louis Vuitton Cup und schliesslich auch beim America's Cup.


Auf dieser Marke sehen wir 'Team New Zealand', Gewinner des America's Cup 1995 mit einem 5-0 gegen das amerikanische Boot 'Young America'. Und in einer monatelangen Herausforderungsserie kamen die Kiwis zu einem 42-1 Rekord. Es war einfach das schnellste Boot. Im Februar 2000 wiederholten die Kiwis ihren Erfolg. Die italienische 'Luna Rossa', die Siegerin im Louis Vuitton Cup wurde 5-0 geschlagen.
Von 1851 bis 2000 sind 30 America's Cup Rennen ausgetragen worden. Dabei gab es 27 Siege für die Amerikaner, 2 für Neuseeland und einen für Australien.
Diese Internetseite wurde im Jahre 2000 erstellt.
Hier ein Nachtrag:
Im Jahre 2003 gewann die Schweizer 'Alinghi' den Cup mit einem 5:0 Sieg gegen das Team New Zealand!
Damit war der Cup erstmals wieder in Europa!

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