Seemotive:
das Geheimnis der Mary Celeste !  
 
Die 'Mary Celeste' wurde 1872 vollkommen intakt, aber von seiner Besatzung verlassen, aufgefunden. Das Schiff trieb 590 sm vor Gibraltar in ruhiger See, nur zwei Segel waren gesetzt. Die Besatzung blieb verschwunden. Was war geschehen?
Die 'Mary Celeste' wurde 1861 auf der Dewis Werft, Spencer Island, Neuschottland gebaut. Sie hatte eine Länge von rd. 30m, Breite von 7,7m und 282 BRT. Das Schiff hatte zwei Masten, war als Brigantine getakelt und trug beim Stapellauf den Namen 'Amazon'. Das Schiff war ein 'Unglücksschiff'! Nach der Registrierung starb der Eigner unter ungeklärten Umständen. Bei der Jungfernfahrt geriet das Schiff in ein Fischwehr und wurde schwer beschädigt.
Bei den Reparaturarbeiten brach ein Feuer aus und zerstörte Teile des Decks und der Aufbauten. Dann kollidierte die 'Amazon' in der Strasse von Dover mit einer anderen Brigg, die darauf sank. 1867 lief sie vor Cape Breton auf Grund, kam aber wieder frei und mußte ins Dock. Jahre später lief sie genau an der gleichen Stelle bei Cape Breton wieder auf Grund und wurde stark beschädigt. Abschleppen, eindocken, instandsetzen verursachten hohe Reparaturkosten. Die konnte der Eigner nicht zahlen, das Schiff wurde gepfändet.
Die 'Amazon' wurde an den New Yorker Reeder Winchester verkauft, der ihr den neuen Namen 'Mary Celeste' gab. Sicherheitshalber bekam der Schiffsboden einen Kupferbeschlag.
Anfang September 1872 wurde das Schiff mit 1701 Barrel reinem Alkohol in New York beladen. Die Ladung war für Genua bestimmt. Der Kapitän Briggs, er war Miteigentümer des Schiffes, nahm seine Frau und seine zweijährige Tochter auf die Reise mit. Weitere sieben Besatzungsmitglieder waren an Bord. Vom Kapitän war bekannt, daß er nicht nur Puritaner und strenger Abstinenzler, sondern auch ein guter Seemann war.
Die Ladung Alkohol war bei ihm in sicheren Händen. (1 Barrel sind 159 Liter, die Ladung betrug umgerechnet 270,5 Tonnen)
Die 'Mary Celeste' wurde am 4. Dezember von Kapitän Morehouse mit seiner 'Dei Gratia' nördlich der Azoren entdeckt. Das Schiff trieb nur unter Klüver und Fockmarssegel steuerlos auf der See. Niemand war zu sehen. Morehouse ließ ein Boot aussetzen und drei Mann ruderten hinüber und untersuchten das Schiff. Sie fanden keinen Grund, warum das Schiff verlassen war. Zwei Luken standen offen, etwas Wasser plätscherte im Laderaum, ein Alkoholfass war geöffnet. Der Kompaß war defekt.
Es fehlten das Beiboot, ein Sextant, der Chronometer und die meisten Schiffspapiere. Um das Boot auszusetzen, war ein Teil der Reling entfernt worden. Weiter gab es Hinweise, die auf ein eiliges Verlassen des Schiffes deuteten. Es waren all die Gegenstände noch an Bord, die ein Seemann bei einem geordneten Verlassen des Schiffes mitnehmen würde, wie Seestiefel, Kleidung, Pfeife, Tabak etc. Die Kombüse war aufgeräumt, im Kapitänslogis die Betten ungemacht, ein Bullauge war offen.
Das Logbuch war noch an Bord. Der letzte Eintrag war vom 24. November und gab die Position 100 sm südwestlich der Azoren an. Es waren also bis zum Auffinden des Schiffes 10 Tage vergangen. Allerdings waren im Logbuch insgesamt nur sieben Einträge, davon beschrieb einer stürmisches Wetter. Damals war es üblich, nur gelegentlich Eintragungen in das Logbuch zu machen.
Die 'Mary Celeste' wurde von der Mannschaft der 'Dei Gratia' wieder seeklar gemacht und vom Maat und zwei Matrosen nach Gibraltar gesegelt. Dort traf sie am 13.12.1872 ein.
Nun begannen die Diskussionen, es entstanden Theorien, Gerüchte, Märchen und Legenden. Es fand eine Seegerichtsverhandlung und eine Untersuchung von Lloyds statt. Es wurden Bücher geschrieben, am bekanntesten war das Buch von Arthur Conan Doyle, dem Erfinder von Sherlock Holmes. Sein Buch erschien im Jahre 1884 und diente vielen weiteren Publikationen als Vorlage. Die 'Mary Celeste' wurde sogar in der Katastrophenliste des 'Bermuda Dreiecks' geführt, obwohl sie das Gebiet nicht durchfahren hatte.
Zuerst befasste sich die britische Behörde in Gibraltar mit dem Fall, dann ein Seegericht. Das Schiff war intakt und seetüchtig, nur die Mannschaft fehlte. Natürlich kam sofort das Gerücht auf, Seeschlangen oder Kraken hätten die Besatzung einzeln über Bord gezogen. Eine weitere These lautete, die Mannschaft hätte vom Alkohol getrunken, den Kapitän umgebracht und sei dann mit dem Rettungsboot davongefahren. Sehr oft wurde der Vorwurf der Piraterie laut. Kapitän Morehouse konnte ja viel erzählen. Er habe die 'Mary Celeste' überfallen um den Bergelohn allein zu bekommen. Es wurden dunkelbraune Flecken an Bord gefunden, die man für Blut hielt. Einige Geschichten sprachen von blutigen Schwertern. Man untersuchte die Flecken, aber die Analyse verschwand spurlos. Letztendlich sprach das Seegericht Morehouse und seinen Maaten von allen Anschuldigungen frei. Der Mannschaft der 'Dei Gratia' wurde ein Bergelohn von 8.000 Dollar zugesprochen.
Eine weitere detaillierte Theorie kam zu dem Schluß, dass die 'Mary Celeste' Opfer eines Seebebens geworden ist. Nach der offiziellen Untersuchung durch 'Lloyds' ist die Ladung die Ursache zum Verlassen des Schiffes gewesen. Der reine Alkohol hätte durch das eine offene und andere 'schwitzende' Fässer Dämpfe entwickelt. Kapitän Briggs habe Angst bekommen, das Schiff könne in Brand geraten oder explodieren. Deswegen seien die Ladeluken offen gewesen, eine übliche Tätigkeit auf Schiffen mit Alkohol Ladung.
Die Mannschaft ist wohl ins Beiboot gegangen um das Abziehen der Dämpfe abzuwarten. Eine Bö kann das Beiboot abgetrieben, bzw. die Leine zum Boot zerrissen haben. Das Boot ist vermutlich bei stürmischer See gekentert. Sicher war nur, daß alle Insassen verschollen sind.
Die 'Mary Celeste' blieb ein Unglücksschiff. Sie wurde mehrfach verkauft. 1884 lief sie vor Haiti auf ein Korallenriff, geriet in Brand und sank. Das passierte unter so mysteriösen Umständen, daß der Eigner wegen Versicherungsbetrug vor Gericht gestellt wurde. Er wurde aber wegen formaler Mängel freigesprochen.
Im August 2001 wurde ein Wrack auf einem Riff vor Haiti entdeckt, dass in Länge und Breite die Maße der 'Mary Celeste' hat. Das Unglücksschiff war wieder 'aufgetaucht'.
Auf dieser Marke sollen die 'Dei Gratia' und die 'Mary Celeste' abgebildet sein. Beide Schiffe waren zweimastige Brigantinen. Die beiden Schiffe auf der Marke entsprechen eher einem Bild vom legendären Tee-Clipper Rennen zwischen der 'Ariel' und der 'Teaping', das im Jahre 1866 stattfand. Siehe hierzu die Clipper Seite.
Nachtrag 2007:

Der Hamburger Autor Eigel Wiesel hat sich mit der schon oben angesprochenen Meinung der Lloyds Versicherer beschäftigt, das Alkoholdämpfe in den Laderäumen zu einer Gasverpuffung auf der 'Mary Celeste' geführt haben.
Die Laderäme mit den Alkoholfässern waren wegen schlechten Wetters tagelang nicht gelüftet worden. In ihnen hatte sich durch die tagelange Schaukelei / Stampferei des Schiffes aus den Alkoholdämpfen ein explosionsfähiges Gasgemisch gebildet. Als die Seeleute die Räume öffnen wollten, sind ihnen die Lukendeckel um die Ohren geflogen und eine zischende Stichflamme kam wohl herausgeschossen. Da haben sie wohl panikartig das Schiff verlassen. Allerdings war mit der Verpuffung die Gefahr vorbei, die 'Mary Celeste' trieb durch Wind und Strömung davon.

© 1998 - 2007 Seemotive Bjoern Moritz, alle Rechte vorbehalten


  Nach oben
  nächste Seite
  zurück
  Menue Seite
  Eingangsseite