Seemotive:

Der Matrose,

Realität und Mythos!

  Rudergänger im Sturm !



Matrose ist nicht nur ein Beruf, sondern auch ein Begriff, der allgemeine falsche Vorstellungen über die Seefahrt enthält. Besonders Menschen aus dem Binnenland wurde über Medien (Bild, Buch, Schlager, Film) ein von Stereotypen geprägtes Matrosenbild suggeriert. Dabei verstand man unter Matrose alle Seeleute.
Bei Matrosen denkt man oft an Fernweh, ihre Heimat ist das Meer, an das Schifferklavier, an Pfeife rauchen und Rum trinken und überall ein Mädchen, besonders eine dunkelhäutige Südseeschönheit!

Deutsche Postkarte, "der letzte Mann"!

So ist ein gewisser Mythos um die "blauen Jungs" entstanden. Die deutsche Marine stilisierte noch Kraft, Mut, Vaterlandsliebe und Kameradschaft dazu und nutzte Matrosen bzw. Seesoldaten zu Propagandazwecken, siehe obige Postkarte.


Matrose ist ein Beruf in der Seeschiffahrt. Der Matrose arbeitet "an Deck", d.h. im Maschinendienst, in der Kombüse und im Stewardbereich wird er nicht eingesetzt.

Matrose war in Deutschland und ist noch bei einigen Nationen ein Ausbildungsberuf.
Bei der deutschen Handelsschiffahrt musste bis 1983 ein Seemann eine dreijährige Lehrzeit absolvieren. Er begann als Schiffsjunge (Moses), danach folgte ein Jahr als Jungmann und ebenfalls ein Jahr als Leichtmatrose. Nach einer bestandenen Prüfung war man dann Matrose, bzw. wurde er dann auch als Vollmatrose bezeichnet!


Die international gängigen Bezeichnungen für Schiffsjungen sind sailor boy, für Leichtmatrosen O/S ("ordinary seaman") und für den Vollmatrosen A/B ("able bodied seaman").


Zur Zeit der Segelschiffe mussten die Matrosen alle Arbeiten rund um die Segel verrichten. Dazu gehörte nicht nur das Segelsetzen und Bergen sondern auch alle Arbeiten beim Wenden und Halsen des Schiffes sowie Näharbeiten an eingerissenen Segeln.
Die Decks mussten auch geschrubbt und kalfatert werden. Sämtliche Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten wurden von den Matrosen verrichtet.
Auf beiden Marken sehen wir Matrosen im Rigg eines grossen Windjammers. In schwindelerregender Höhe mussten sie sicher auf schwankenden Tauen stehend extreme Schwerstarbeit verrichten während unter ihnen die Seen an Deck einstiegen!


Noch früher, im 13. 14. und 15. Jahrhundert, musste ein Matrose auf einem Piratenschiff auch kämpfen. Damals gab es noch keine festen Dienstgrade, aber dennoch eine Arbeitseinteilung.


Alle anfallenden Arbeiten, die an Deck eines Schiffes zu tun sind, sind Aufgaben des Matrosen:
Arbeiten mit dem Ladegeschirr, Schwergutbäumen und Kränen, seeklar machen, Ladung laschen (festsetzen), Luken verschliessen, Ladegeschirr seefest setzen, Leinenarbeiten bei An- und Ablegemanövern, Anker hieven, Segel setzten und bergen, Wache gehen (Rudergänger, Ausguck), Instandsetzungsarbeiten am ganzen Schiff und der dazugehörigen Ausrüstung. Dazu gehören entrosten und malen sowie Konservierungsarbeiten am stehenden (Wanten, Pardunen) und laufendem Gut (Fallen, Schoten und Leinen).
Dazu gehört auch die Beherrschung von speziellen Seemannsknoten, das Spleissen von Leinen und Trossen und nähen von Persenningen.
Ebenso musste ein Matrose den Umgang und die Bedienung von Rettungsmitteln, wie Feuerlöscheinrichtungen, Rettungsbooten und Rettungsinseln beherrschen.
Rudern und Wriggen gehört auch dazu.


Ein Matrose übernimmt auch die Arbeit als Rudergänger. Er bedient die Ruderanlage auf der Brücke nach Anweisungen vom wachhabenden Offizier oder dem Kapitän und Lotsen.


Während das Schiff fährt, muss immer ein Matrose Ausguck gehen, d.h. die Schiffsführung auf der Brücke muss auf Fahrzeuge in Sichtweite unterrichtet werden.
Der Ausguck kann sich am Bug des Schiffes, in einem Mastkorb oder auf der Brücke mit einem Fernglas befinden.


Je nach Schiffstyp und Fahrtgebiet variiert die Arbeit der Matrosen.
Die Schwerstarbeit beim Fischfang gipfelt oft zu einer "rund um die Uhr" Arbeit ohne Schlaf.


Die Ausbildung zum Matrosen wurde in Deutschland ab 1983 durch das Berufsbild des Schiffsmechanikers ersetzt.
Die Schiffsmaschinen wurden automatisiert und viele Steuerungsfunktionen auf die Brücke verlegt.
Nun brauchte man auch nicht mehr viele Heizer und Schmierer im Maschinenraum. Das wenige, was anfiel, konnte auch der sogenannte Schiffsmechaniker erledigen. Dazu konnte er auch noch das Schiff steuern, beim Festmachen Leinen ausbringen und mit dem Deckwaschschlauch das Schiff reinigen.


Und ein strebsamer und fleissiger Matrose konnte auch Bootsmann, Schiffsoffizier und Kapitän werden!
Auf den Marken sehen wir von links einen Matrosen, einen Bootsmann, einen Kapitän und einen Admiral vergangener Zeiten.


Hat ein Matrose es bis zum Kapitän geschafft, kann/konnte er immer noch Lotse für heimische Gewässer werden.


Zur See fahren war früher ein riskanter Beruf und ist auch heute noch nicht ganz ungefährlich. Schiffe strandeten, kollidierten und / oder versanken mit ihren Besatzungen.
Aus diesem Grund hat sich um die Männer auf See ein Mythos entwickelt, der sich in verschiedene symbolische Richtungen entwickelte. Einige werden hier genannt.

Zum Beispiel der Rudergänger; dieses Symbol wird oft als Klischee für Personen in Führungsfunktionen benutzt. Sie haben das Ruder fest in der Hand und steuern ihr "Schiff" durch alle Widerstände sicher in einen imaginären Hafen.


Hier steht der Rudergänger als Symbol für eine glorreiche Vergangenheit einer ganzen Nation.


In der Deutschen Marine ist ein Matrose der unterste Mannschaftsdienstgrad. Auf Grund der verschiedenen Tätigkeitsbereiche in der Marine muss ein Matrose nicht notwendigerweise eine seemännische Ausbildung oder Verwendung haben.

Mit der Marine wurde der Matrosenanzug populär. Dazu gehörte eine weite lange Hose, eine Bluse mit spitzem Ausschnitt und einem im Rücken rechteckig geschnittenen Kragen, dazu ein dunkles, vorn zum Knoten geschlugenem Tuch. Der sogenannte Kieler Matrosenanzug war mit kurzen Hosen ein Anzug für die braven Knaben.


Matrosen bei der deutschen Marine befinden sich in der Regel noch in der allgemeinen Grundausbildung.
Auf der linken Marke sehen wir Kadetten einer Marineschule. Kadetten sind Offiziersanwärter.


Hier zwei Beispiele zur Ausbildung bei der Marine. Als es noch keinen Funk gab musste ein Matrose das Winkeralphabet beherrschen. Dies Bild stammt von einem amerikanischen Briefumschlag.
Rechts sehen wir Kadetten mit Schwimmwesten bei einer Rettungsübung.


Die Matrosen werden im Volksmund als "unsere blauen Jungs" bezeichnet. Damit verbindet man lustige, starke, trinkfeste Personen, die jeden Ulk mitmachen, tanzen und hinter jungen Mädchen her sind.

Rechts bläst ein brasilianischer Matrose auf einer Fanfare ein Signal.


Auf diesem Brief verkörpert ein symbolischer Matrose das Sinnbild der Marine: immer wachsam und alarmbereit (ever watchful und alert)!


Matrosen wurden oft als "Helden zur See" dargestellt. Hier ist links ein Beispiel eines muskulösen Matrosen an der Geschützbedienung.
Rechts wird auf dem brennenden Schiff ein Geschütz neu geladen.


Russland hat sehr viele Briefmarken mit Matrosenbildern herausgebracht. Die Matrosen waren dort "Helden der Arbeiterklasse" und an Revolutionen beteiligt.
Die rechte Marke zeigt einen Matrosen bei der Meuterei auf der "Potemkin".


Seeleute trinken angeblich sehr viel alkoholische Getränke. An Bord soll es regelrechte Zechgelage gegeben haben. Dieses alte Gemälde, das auf der Marke abgebildet ist, scheint dies zu bestätigen. Die Wirklichkeit sah aber ganz anders aus.


press gang
Das Leben war hart, die Peitsche regierte vor allem bei der britischen Marine. Mannschaftsgrade desertierten bei jeder sich bietenden Gelegenheit von diesen Schiffen. Diese fehlenden Leute wurden zum Dienst bei der Royal Navy gepresst. An Land wurden sie in Kneipen betrunken gemacht und im besinnungslosen Zustand an Bord gebracht (shanghait). Oder sie wurden von aufgebrachten Schiffen einfach zwangsweise übernommen, siehe Marke.


Nach schweren Arbeiten in hoher See und bei Sturm wurde auf vielen Schiffen ein Schluck Rum als Belohnung für die gute Arbeit ausgeschenkt. Die letzten Arbeiten bei einem Segelmanöver fanden am achteren Besanmast statt. Deswegen wurde dieser Umtrunk "Besanschot an" genannt.
Auf britischen Schiffen gab es öfters mal einen Schluck "aus der Pulle". Die Matrosen sollten willfährig gehalten werden und keine Angst haben in die hohen Masten aufzuentern.


Ein weiterer Mythos rankt sich um Matrosen und Frauen. Jeder Matrose hatte angeblich in jedem Hafen sein Mädchen.
Auf den Marken sehen wir junge Frauen, die Seeleuten von Captains Cook Fahrten entgegenwinken. Das war im 18. Jahrhundert. Die Seeleute vergangener Zeiten erfreuten sich oft der Gunst der einheimischen Frauen.


Heute muss man es alles realistischer sehen. Wenn Seeleute bzw. Matrosen nach einer langen Reise weltweit irgendwo an Land gehen, zieht es sie oft ins Rotlicht-Milieu. Und die Traum-Mädchen sind meist Prostituierte.
Links oben sehen wir auf dem Block Marylin Monroe, deren Bild wohl in tausend Spinden hing. Daneben wird ein Marinesoldat von einer blonden Schönen umarmt. Man muss also zur See fahren um sowas zu erleben !?!
Links wartet eine Gruppe von "Dockschwalben" auf die Ankunft der Matrosen.


Diese vier Marken zeigen uns Seemannsfrauen. Diese Frauen lebten meist ohne und ganz selten mit ihrem Mann. Für sie gab es die Zeit des Abschiednehmens, die endlose Zeit des Wartens, hoffen auf eine glückliche Heimkehr und die kurze Zeit eines Seemannurlaubs.
Heute haben sich für die Frauen die Möglichkeiten verbessert, eine Reise mit ihrem Mann auf seinem Schiff zu machen.
Nur Kapitänsfrauen durften auch schon zu früheren Zeiten ihren Mann an Bord begleiten.


Es gibt unzählige Shanties, Seemannslieder und seefahrtbezogene Schlager. Das Akkordeon wird allgemein als Schifferklavier bezeichnet, siehe links oben.
Die Shanties beziehen sich auf den schweren Alltag der Matrosen. Sie wurden z.B. beim Ankerhieven gesungen, Marke rechts.
Dem vom Shantyman gesungener Solopart folgt der Reim-Gesang der Mannschaft.


Eine eindeutige Abgrenzungen zur Welt der Schlager gibt es nicht. Beim Schlager träumt das Mädchen von Pyräus "von dem Schiff, das kommen wird und ihr den einen bringt, den sie liebt und der sie glücklich macht".
Links sitzt ein Matrose auf dem Bugspriet und spielt mit seinem Akkordeon.
Auf der mittleren Marke tanzen Matrosen. Das tägliche Tanzen der Matrosen wurde auf britischen Schiffen angeordnet, damit sie sich erfreuen und sie fit gehalten werden.
Aber auch die Welt der Oper griff Seefahrtsthemen auf. Rechts sehen wir den "Fliegenden Holländer".


Mit Seeleuten wurde schon immer Werbung gemacht. Auf dem obenstehenden Freistempler wird mit einem Kapiän Werbung für Kaffee gemacht.


Mit dem imaginären Matrosenbild wurde Werbung u.a. für Zahnpasta, Brausepulver, Bier und diverse Rauchartikeln gemacht.
Tatsache ist, das an Bord sehr viel geraucht wurde und die Pfeife dazugehörte.


Matrosen waren schon immer abergläubisch aber auch recht fromm. Sie kannten die Gefahren der See. Sie waren empfindlich für düstere Reisevorhersagen wie sie z.B. links die ein Schiff angreifende Seeschlange darstellt.
Zu Segelschiffszeiten wurden vor dem Auslaufen Gottesdienste abgehalten mit der Bitte um eine glückliche Heimkehr, siehe oben rechts.
Auch an Bord von vielen Schiffen wurden jeden Sonntag Messen gelesen, siehe hierzu rechts die Marke mit der Bibel von der "Bounty".


In allen grösseren Häfen gibt es weltweit Seemannsheime und Seemannskirchen.

Sie bieten allen unseren Matrosen und Seeleuten ein geselliges Beisammensein, sie helfen beim Kontakt nach Hause, bei Problemen, sie organisieren u.a Treffen und Fussballspiele.
Weltweit ist Stella Maris präsent!


In Politik und Kultur tauchen immer wieder Matrosen auf:
Am 1. Februar 1918 wurden auf 40 Schiffen der österreichisch-ungarischen Kriegsflotte in der Bucht von Cattaro die roten Fahnen des Aufstandes gehißt. 6000 Matrosen erhoben sich, entwaffneten die Offiziere, bildeten Matrosenräte.

Darüber entstand auch ein Theaterstück.


Der Kieler Matrosenaufstand im November 1918 erreichte die Umwandlung des Kaiserreiches in eine Republik.
Über die Meuterei der Matrosen auf der "Potemkin" hat Seemotive eine extra Seite erstellt, nur auf diese Zeile klicken.


In Kunst und Kultur findet man auf diversen Briefmarken auch Gemälde unserer Matrosen.


Zwei Abbildungen von sogenannten "Matrosenstempel" auf Feldpostbelegen. Davon sind bisher 28 unterschiedliche Versionen bekannt.
Diese maritimen Werbestempel wurden im 2. Weltkrieg verwendet.


Quellen:
Ute Hinrichsen, Blaue Jungs, 2005, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft
Wikipedia Internet Enzyklopädie
Der Matrosenstempel, Karl Friedlein, Rundschreiben der Arge Schiffspost Nr. 138, 2012

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