Seemotive,
Unterseeboote, Teil 2,
1776 - 1939.

Spanisches Boot 'D1' von 1933


Die Forschungstauchboote sind der erste Teil zum Thema U-Boote, diese Seite ist der zweite Teil und behandelt die militärischen U-Boote von den Anfängen bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939. Der dritte Teil umfasst den Zeitrahmen von 1939 bis 2000.


Das erste U-Boot, das einen Angriff auf ein Kriegsschiff unternehmen sollte, war David Bushnell's 'Turtle' (Schildkröte). Es wurde 1776 gebaut und hatte zwei Propeller, einen für die horizontale und einen für die vertikale Fortbewegung, siehe rechten Markenausschnitt. Zum Absinken wurde etwas Wasser über ein Ventil ins Boot gelassen. Unter dem gegnerischen Schiff angekommen, sollte mit einem Bohrer eine 150 Pfund schwere Bombe mit einem Zeitzünder angebracht werden. Am 7.10.1776 wurde die 'Turtle' im New Yorker Hafen gegen ein britisches Kriegsschiff eingesetzt, wahrscheinlich 'HMS Eagle'. Der Versuch das Schiff anzubohren mißglückte. Vermutlich traf der Bohrer auf einen eisernen Beschlag. Sergeant Ezra Lee, der das Boot führte, verlor angeblich die Orientierung und tauchte auf.


Der Amerikaner Robert Fulton, der in Frankreich lebte, baute 1800 ein U-Boot und gab ihm den Namen 'Nautilus'. Das Boot hatte für die Überwasserfahrt Segel, unter Wasser einen handbetriebenen Propeller. Fulton unternahm mehrere erfolgreiche Tauchversuche bis zu einer Tiefe von 8 Metern, dabei viermal mit einer Dauer von sechs Stunden. Die Luftzufuhr wurde mit einem Rohr zur Oberfläche erreicht. Nachdem das Boot von der franz. Marine abgelehnt wurde, verkaufte Fulton das Boot zum Verschrotten.


1834 entwickelte der Russe K.A. Schilder ein Boot, das als erstes Ganzmetall-U-Boot angesehen wird. Deutlich zu sehen ist hier ein sogenannter Stangentorpedo, eine Holzspiere mit der daranhängenden Sprengladung.



Als 1850 die deutschen Küsten mal wieder von dänischen Kriegsschiffen blockiert waren, entwickelte Wilhelm Bauer seinen 'Brandtaucher' (Incendiary Diver). Er wollte mit ihm die feindlichen Schiffe sprengen. Sein Boot war für eine Besatzung von drei Mann konstruiert, zwei Personen mussten mit Treträdern die Schraube antreiben. Das Boot hatte ein verschiebbares Trimmgewicht und eine Anlage zur Lufterneuerung! Beim ersten richtigen Tauchversuch am 1.2.1851 im Kieler Hafen, sackte das Boot über das Heck ab, geriet außer Kontrolle und blieb bei 13 Metern auf dem Grund liegen. Die Besatzung konnte sich nach mehreren Stunden an die Oberfläche retten. Das Boot wurde erst 1887 gehoben und steht heute in den Museen in Kiel bzw. Dresden (ab 1.1.2002). Auf dem linken Stempel sehen wir einen frühen Entwurf, rechts die gebaute Konstruktion.



1863 im amerikanischen Bürgerkrieg baute der Baumwollpflanzer H.L. Hunley ein eisernes U-boot, versehen mit Tiefenrudern und Ballasttanks. Es bekam den Namen C.S.S 'H.L.Hunley'. Das Boot hatte acht Mann Besatzung, von denen sieben eine lange Handkurbel zum Antrieb drehten. Bei Probefahrten in Mobile, Alabama, und Charleston, South Carolina, ging das Boot dreimal unter. Zwei der drei Crews ertranken, darunter auch H.L. Hunley. Aber dann, mit neuer freiwilliger Besatzung unter Führung von Lt. G.E.Dixon gelang es dem "schwimmenden Sarg" am 17. Februar 1864 mit einem 'Spierentorpedo' die 'U.S.S. Housatonic' zu versenken. Damit war es das erste U-Boot, das ein feindliches Schiff versenken konnte. Allerdings ging die 'Hunley' auch verloren und mit ihr die ganze Besatzung, zum dritten Mal. 131 Jahre später wurde sie wieder aufgefunden und im Jahre 2000 in ziemlich gutem Zustand geborgen. Sie wird heute in Charleston, S.C. untersucht und konserviert.


1867 entwickelte der Brite Alfred Whitehead eine Mine, die von einem Propeller angetrieben wurde und nannte das Gerät 'automobile torpedo'. 1869 begannen die Amerikaner mit der Produktion der Whitehead Torpedos. 1888 baute der Spanier Isaac Peral sein U-Boot 'Isaac Peral'. Es war 21m lang, hatte zwei 30PS Motoren und ein Torpedorohr. 1889 machte Peral drei erfolgreiche Tests mit dem Whitehead Torpedo. Dennoch wurden seine Pläne nicht unterstützt. Das Boot steht heute in Cartagena.



Der Amerikaner John Philip Holland war ein genialer U-Boot-Konstrukteur. 1878 entwickelte er sein erstes Boot, zu sehen auf Seemotive's erster U-Boot-Seite. Im April 1900 kaufte die US Marine Hollands sechstes Boot und nannte es 'USS Holland', siehe beide Marken oben. Es war das erste U-Boot der US-Navy.
Die Engländer machten ebenfalls 1900 mit Holland einen Vertrag, der es ihnen erlaubte fünf U-Boote nachzubauen.
Es waren die ersten Boote der britischen Marine, linke Marke. Die Daten: L-18,9m, B-3,4m, 122 tdw, 7,5kn über Wasser, 6kn unter Wasser, ein Torpedorohr mit drei Torpedos. Besatzung acht Mann und drei weiße Mäuse, die das Entstehen gefährlicher Gase 'anzeigen' sollten.


Ab 1901 bauten die Briten 13 Schiffe der sogenannten A-Klasse. Diese Boote hatten eine Länge von 47,2m, Breite 5,4m, Geschw. 9,5 über und 6kn unter Wasser, ein Torpedorohr, 12 Mann Besatzung.



U1
In der Zwischenzeit entwickelten die Deutschen ihr U-1. Es lief 1906 vom Stapel. Die Daten: L-42m, B-3,8m, lief 11kn über und 9kn unter Wasser, 239 tdw, zwei Schrauben, Reichweite 1536 sm, ein Torpedorohr, 22 Mann Besatzung.


Die Engländer bauten von 1906 bis 1910 39 Boote der C-Klasse, linke Marke. Sie wurden auch im ersten Weltkrieg eingesetzt. Die Daten: L-43m, B-4m, lief 12kn über und 7,5kn unter Wasser, 290 tdw, Reichweite 1431 sm, zwei Torpedorohre, 16 Mann Besatzung.
Auf der rechten Marke ist das peruanische U-Boot 'Ferre' zu sehen. Es wurde 1912 gebaut. Die Daten: L-46m, B-4,5m, lief 12,7kn über und 8kn unter Wasser, 300 tdw, ein Torpedorohr im Bug, vier Torpedoabwurfvorrichtungen im Aufbau.



Die U-Boote hatten sich zu einer fürchterlichen Waffe entwickelt. Das wurde besonders im ersten Weltkrieg deutlich. Hier sehen wir zwei Boote, die zu dieser Zeit im Einsatz waren. Links soll angeblich ein deutsches Boot dargestellt sein. Nehmen wir einige Zahlen von U-9, das 1914 drei englische Kreuzer versenkte. Die Daten: L-81m, B-9,3m, lief 14kn über und 8kn unter Wasser, zwei Torpedorohre im Bug, zwei Torpedorohre im Heck, 29 Mann Besatzung.
Die Deckskanone wurde ebenfalls zu dieser Zeit eingeführt um Handelsschiffe zur Aufgabe zu zwingen.
Nachdem die Amerikaner 1917 in den ersten Weltkrieg eingetreten waren, entwickelten sie U-Boote der hier abgebildeten S-Klasse. Die Daten von S28: L-64m, B-6,3m, lief 14,5kn über und 11kn unter Wasser, 850 tdw, vier Torpedorohre, Reichweite 3.420sm. Verschiedene S-Klassen-Boote wurden noch im zweiten Weltkrieg eingesetzt.


Im Mai 1915 versenkte U-20 das Passagierschiff 'Lusitania'. Der Kommandant von U-20 hielt die 'Lusitania' für einen Truppentransporter. Über gegenseitige Behauptungen und Beschuldigungen sind mittlerweile dicke Bücher geschrieben worden. Deutschland begann den ersten Weltkrieg mit 26 U-Booten und bekam im Laufe des Krieges 390 dazu. 178 Boote gingen verloren, 5.364 deutsche U-Boot-Fahrer starben. Von den deutschen U-Booten wurden weit über 4.500 Schiffe mit einer Tonnage von ca. 11 Mio Tonnen versenkt. Allein 1917 wurde die erschreckende Zahl von 3170 versenkten Schiffen erreicht, 1918 kamen noch 1280 dazu. Und Zehntausende von Seeleuten starben in diesem brutalen U-Boot-Krieg.
Rechts ist das spanische Boot 'A1' ex 'Narciso Monturiol' abgebildet. Es wurde 1916 in La Spezia gebaut.


Nun folgen einige Beispiele über U-Boote zwischen den beiden Weltkriegen. Das U-Boot 'R1' wurde 1926 von der US Werft Electric Boat für die peruanische Marine gebaut. 1935 und 1950 wurde es grundüberholt, 1957 wurde es umbenannt in 'Isley' und 1960 außer Dienst gestellt. Die Daten: L-56m, B-5,3m, lief 14,5kn über und 9,5kn unter Wasser, 576 tdw, vier Torpedorohre, Besatzung 30 Mann.


Hier sehen wir das sowjetische Boot 'Krasnogvardeec'. Es wurde 1932 in Leningrad gebaut und 1941 im zweiten Weltkrieg im Nordmeer eingesetzt. Seit 1942 wurde das Boot vermißt, wahrscheinlich ist es in einer deutschen Minensperre gesunken. Das Boot hatte eine Länge von 73m, 900 tdw und acht Torpedorohre.

Die maximalen Tauchtiefen der Boote wurden meist geheim gehalten und sind in der Literatur kaum zu finden. Von der USS 'Seal' ist bekannt, daß sie 1914 eine Rekordtiefe von 78m erreichte. Die deutschen Boote, die ab 1935 gebaut wurden konnten bis 200m tauchen, ohne Schäden am Rumpf zu riskieren.



Links sehen wir die estnische 'Lembit', die in England gebaut wurde und 1936 in Dienst gestellt wurde. Rechts die 'Delfinul', die ab 1927 in Quamano/Fiume gebaut wurde und 1936 von der rumänischen Marine übernommen wurde. Sie hatte schon acht Torpedorohre.
Die Deutschen durften nach dem ersten Weltkrieg keine U-Boote bauen. Dennoch wurden U-Boote unter deutscher Leitung 'illegal' in Japan und Holland entwickelt. Erst ab dem Deutsch-Britischen Flottenvertrag von 1935 wurden die Restriktionen weitgehensd aufgehoben. Wenige Wochen später präsentierten die Deutschen ihr neues Boot U-1.

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