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Seemotive :

Das sicherste Frachtschiff der Welt!

Diese Seite hat nichts mit Philatelie zu tun. Hier werden Nachrichten aus der Seefahrt vorgestellt und kommentiert.



Wappen von Hamburg Der Tanker 'Wappen von Hamburg' ist das erste von sechs Schiffen des Typs SCOT 8000. SCOT steht für 'Safety Chemical Oil Tanker', die 8000 für Tragfähigkeit dieses Typs. Das Schiff wurde auf Anregung des Hamburgers Reeders G. Kordts von der Kieler Lindenau Werft entwickelt.
Wegen Kapazitätsengpässen wurde es auf der Damen Werft im rumänischen Galatz gebaut.



Einige Daten:
L*B*T   116,9m * 18m *7,4m
Tragfähigkeit   8.000 t
Vermessung   5.095 BRZ / 2.533 NRZ
Tankinhalt   9.050 cbm
Anzahl Lade-/Sloptanks   16/2
Hauptmaschine   MAN B&W Alpha Diesel
Leistung   2 mal 1.800 kW
Geschwindigkeit 14,5 kn
Besatzung 11 Mann
Indienststellung Dezember 2002
Heimathafen Hamburg

Das Besondere an diesem Schiff ist, dass aus Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsgründen verschiedene Einrichtungen redundant bzw. mehrfach vorhanden sind.
Es handelt sich um einen Doppelhüllentanker. Durch ein Mittellängsschott wird das Schiff praktisch in zwei unabhängige Hälften geteilt. Zwischen dem Laderaum und den Mannschaftseinrichtungen bzw. Maschinenraum besteht ein Kofferdamm. Auf der rechten Skizze sind die doppelten Umrisse rot und die gesickt ausgeführten Schotten in Schlangenlinie dargestellt.

Schotten



Alva Star
Tank
Die Doppelhülle ist in erster Linie ein Schutz des Schiffes vor Kollisionen und Grundberührungen. Somit ist sie gleichzeitig ein Schutz für die Umwelt indem sie das Auslaufen von Öl und Chemikalien verhindert. Der Germanische Lloyd hat die Doppelhülle der Lindenau Werft getestet und ihr einen mindestens 4x so großen Eindringwiderstand als bei einem vergleichbaren Einhüllentanker bescheinigt. Auf der linken Skizze ist dies dargestellt, links der Einhüllentanker, rechts der Doppelhüllentanker.
Ein wichtiger und positiver Aspekt der Doppelhülle ist die Energieeinsparung bei der Tankheizung. Viele Flüssigkeiten müssen, um pumpfähig zu bleiben, bei Temperaturen von ca. 60-65°C transportiert werden. Auf der 'Wappen von Hamburg' können die Tankinhalte bis auf 80 Grad Celsius beheizt werden.



Seaturbot Alle Versteifungen der Schotten liegen in der Doppelhülle bzw. Doppelboden. Die Versteifungen des Hauptdecks liegen an Deck, siehe Bild links mit den 'Rippen' quer über das Deck. Das ermöglicht glatte Tankwände im innern.
Auf dem Schiffsquerschnitt rechts oben sehen wir die Doppelhülle und die glatten Tankwände. Die glatten, speziell beschichteten Platten der Ladetanks erlauben ein optimales Leerpumpen, ein schnelles und sicheres Reinigen und ein leichtes Inspizieren der Tanks. Die hochwertige Beschichtung erlaubt die Beladung von rund 500 verschiedenen flüssigen Ladungsarten.



Jeder der 16 Ladetanks hat seine eigene leistungsfähige Tauchpumpe mit Restlenzmöglichkeit. Dazu kommt natürlich ein computergestütztes Ladungs- und Maschinenüberwachungssystem. Rechts sehen wir einen Plan über das integrierte Automations- und Managementsystem. Die zwei braunen Linien in der Mitte stellen das duale Netzwerk dar, es ist also auch doppelt ausgelegt. Rechts oben der Bereich der Brücke, links oben die Alarmsysteme in den Mannschaftsräumen, links unten der Part der Maschinenräume und rechts unten die Überwachung der Ladetanks. System



Kontrolle
Und so sieht der Ladekontrollraum aus.



SCOT8000 Das wirklich revolutionäre 'Neue' an diesem Schiff sind die redundant angelegten Antriebsanlagen. Zwei Hauptmaschinen in zwei separaten, vom Längsschott getrennten Maschinenräumen, zwei Getriebe. zwei Verstellpropeller, zwei Halbschweberuder und zwei Ruderanlagen sorgen für hohe Sicherheit. Spektakuläre Havarien der vergangenen Jahre hatten oft mit einem Maschinenausfall zu tun. Mit einer Maschinenanlage allein kann das Schiff noch 12 kn laufen und bleibt manövrierfähig. Mit beiden Maschinen wurden max. 17 kn erreicht.



Selbst im Falle eines Brandes oder Flutung eines der beiden Maschinenräume setzt der SCOT 8.000 seine Reise bis zum nächsten Hafen ohne Risiko für Besatzung, Umwelt und Ladung fort. Da zwei getrennte Maschinenanlagen eingebaut wurden, konnte man kleinere Maschinen nehmen, die in großen Stückzahlen gebaut werden und preisgünstiger sind.
Die Mehrkosten für die Sicherheit wurden vom Reeder mit rund 400.000 Euro angegeben. Zum Gesamtbaupreis von ca. 15,3 Millionen Euro sind die Mehrkosten jedoch als moderat zu bezeichnen.
Ferner hat das Schiff natürlich einen Bugwulst zur verbesserung der Hydrodynamik und einen Bugquerstrahler für Manöver.
Antrieb



Bruecke Auf der Brücke, Bild links, befinden sich Antikollisionsradar, GPS, elektronische Seekarte und der Voyage Data Recorder (VDR). Er speichert alle wichtigen nautischen, technischen und sicherheitsbezogenen Schiffsdaten sowie die Funkkommunikation und die Kommunikation auf der Brücke. Diese gespeicherten Daten können, wie bei einem Flugschreiber in der Luftfahrt, für die Untersuchung eines Unfalls herangezogen werden. Weitere Nutzungsmöglichkeiten sind Crewtraining oder Analysen zur Optimierung des Schiffsbetriebs.



Das automatische Identifikationssystem AIS unterstützt die Brückenbesatzung durch den Empfang detaillierter Informationen über den Schiffsverkehr wie Kurs, Geschwindigkeit und Abstand anderer Schiffe, sowie deren Ladung und Identifizierung, Skizze rechts. Die Daten werden wahlweise auf dem Radar- oder dem Chartpilot angezeigt. Ein Transponder sendet die schiffseigenen Daten. Von den Verkehrsteilnehmern auf dem Wasser und den Verkehrsleitzentralen an Land werden die Daten innerhalb der UKW Reichweite empfangen, wenn sie mit einem AIS System ausgerüstet sind. AIS



Der Tankerentwurf SCOT 8000 wurde von der Royal Institution of Naval Architects (RINA) mit einer Auszeichnung für innovatives Design geehrt.
Sogar Greenpeace meldete sich zu Wort und sprach vom sichertsen Tanker der Welt. In den vergangenen 20 Jahren wurden insgesamt 15 internationale Auszeichnungen an die Lindenau Werft vergeben.



Alle Bilder, Skizzen und Informationen sind freundlicherweise von der Lindenau Werft zur Verfügung gestellt worden.
Siehe hierzu auch   http://www.lindenau-shipyard.de  



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