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Seemotive :

Geschichte der Kompasse!
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Vor 100 Jahren, im März 1904, hat der deutsche Hermann Anschütz-Kaempfe seinen ersten funktionsfähigen Kreiselkompass bei Erprobungsfahrten auf der Kieler Förde getestet. Aus diesem Grund berichtet Seemotive einiges zur Geschichte der Kompasse.

Der Kompass ist ein Gerät zur Bestimmung der Himmelsrichtungen. Aus diesem Grund ist er unverzichtbar bei der Navigation von Schiffen (und Flugzeugen). Der Begriff Kompass ist von dem italienischen 'compassare' abgeleitet und bedeutet 'ringsum abschreiten', 'abmessen'.

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Die ersten Kompasse waren Magnetkompasse. Sie nutzen das Magnetfeld der Erde, das zwischen dem magnetischen Nordpol, in Kanada, und dem magnetischen Südpol, in der Antarktis besteht. Eine Eisen- oder Magnetnadel wird von den Kraftlinien dieses Feldes beeinflusst und zeigt konstant in die magnetische Nord-Süd-Richtung, siehe Marke oben. Durch diese feste Richtungsangabe konnte das Schiff auch konstant auf einem Kurs gehalten werden, auch wenn kein Land in Sicht war! Dies machte lange Reisen über die Weltmeere möglich, siehe Kurse auf der linken Marke.


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Der Magnetstein (Magnetit) war schon zwei Jahrhunderte vor Chr. den Griechen und Chinesen bekannt. Die Chinesen waren aber wohl die Ersten, die diesen Magnetit zur Herstellung von Richtungsweisern nutzten. Am Anfang gab es einen aus Magnetstein geschnittenen Löffel. Dieser Urkompass diente aber angeblich nur der Wahrsagerei, Marke rechts. Die erste schriftliche Quelle datiert um 80 nach Chr. darüber. Dann wurden in China der 'schwimmende Fisch' und die 'schwimmende Nadel' erfunden und als Richtungsweiser auf ihren Dschunken, linke Marke, eingesetzt. Die Chinesen handelten mit arabischen Völkern und segelten sogar bis zur Ostküste von Afrika und nach Australien.
Die chinesischen Kompassnadeln zeigten nach Süden und wurden auch 'Südweiser' genannt.


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Handelnde Araber übernahmen das 'Kompasswissen' von den Chinesen. Vermutlich kam der Kompass mit diesen Arabern im 12. Jahrhundert ins Mittelmeer. Nach einer Beschreibung von 1181 bestanden die ersten Kompasse in Europa aus einem Wassernapf und einem schwimmenden Strohhalm, auf dem eine Nadel lag, die vorher durch Reibung mit einem Magnetit magnetisiert worden war.
Aus dem 13. Jahrhundert wurde ein skandinavischer Kompass mit einem hölzernen Schwimmer in einem Bronzekessel gefunden.
1302 entwickelte der Italiener Flavio Gioia aus Amalfi einen brauchbaren Schiffskompass. Auf der Unterseite einer Glasscheibe befestigte er Weicheisenstäbe, auf der Oberseite war die Kompassrose angebracht. Diese Scheibe drehte sich auf einer Nadel, die in einer Dose (Bussole) befestigt war. Es war ein sogenannter Trockenkompass, der im 15. Jahrhundert auf allen seegehenden Schiffen üblich war, siehe Abbildungen auf den Marken.


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Eine Kompassrose war in 32 'Striche' eingeteilt. Jeder Strich entsprach 11,25 Grad. Heute haben die Kompassrosen eine 360-Gradeinteilung. Auf den schwedischen Marken sehen wir links eine Kompassrose um 1700, rechts eine Rose um 1500. Auf Beiden ist die Stricheinteilung erkennbar.
Auf der rechten Marke ist das Multifunktions-Navigationsinstrument von Sir Francis Drake zu sehen. Es diente zur Winkelmessung, hatte Hafen- und Gezeitentabellen, war Sonnenuhr, hatte einen Kompass (rechts oben), einen ewigen Kalender und war ein 'Nocturno', um nachts den Polarstern anzuvisieren.


Da Schiffe ja bekanntlich zum Schaukeln neigen und in schwerer See stampfen und schlingern wurde der Schwimmkompass (Fluidkompass) erfunden. In die Kompassdose wurde ein Gemisch aus Alkohol und Wasser gefüllt, das die Kompassrose bei Schiffsbewegungen dämpfte. Das passierte allerdings erst um 1860. Der Italiener Gerolamo Cardano, Arzt, Philosoph und Mathematiker, entwickelte 1537 seine 'kardanische Aufhängung', um den Kompass gegen die Schiffsbewegungen stabil zu lagern. Es handelt sich um drei konzentrische Ringe, in denen der Kompass stets senkrecht hängt. Auf der rechten Marke ist ein Schwimmkompass und sein Kompassgehäuse abgebildet, in dem man einen kardanischen Ring erkennen kann.
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deviation
Der Portugiese Pedro Nunes, der auf diesen Marken abgebildet ist, befasste sich vor 500 Jahren mit der Längenbestimmung. Dabei soll er das Problem mit der 'Missweisuung' erkannt haben. Eine Kompassrose zeigt immer zum magnetischen Nordpol. Der liegt nicht beim geographischen Nordpol sondern in Kanada und verändert auch seine Lage. Die Missweisung (Deklination) ist nun der Winkel zwischen geographischem und magnetischem Nordpol. Sie ist ueberall verschieden und ihr Wert (mit den Veränderungen) in den Seekarten verzeichnet. Sie muss also bei der Kursberechnung berücksichtigt werden.


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Neben dieser Missweisung muss auch noch die sogenannte Deviation beachtet werden. So nennt man die Abweichungen der Kompassrose, die durch die Eisenteile des Schiffes hervorgerufen werden. Dagegen wurde ein Kompasshaus aus Holz geschaffen, an dessen beiden Seiten zwei Eisenkugeln angebracht waren, siehe Abbildungen. Im Innern des Kompasshauses waren noch weitere horizontale und vertikale Weicheisenstangen angebracht.
Dann wurde das Schiff 'kompensiert', d.h. das Schiff fuhr einen Kreis und peilte feste Landmarken an. Dabei konnte die Abweichnung des Kompasses durch das Schiffseisen ermittelt werden und mit genauer Plazierung dieser Kugeln und Weicheisenstangen möglichst klein gehalten werden. Die Restabweichungen wurden in einer Deviationstabelle notiert und bei der Kursberechnung berücksichtigt.


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Auf dieser schönen Marke sehen wir einen Matrosen am Steuerrad und einen Schiffsoffizier mit einem Sextanten. Vor dem Steuerstand ist das Kompasshaus mit seinen beiden Kugeln erkennbar. In der halbrunden Schutzhaube ist ein Sichtfenster, damit der Matrose nach der Kompassanzeige steuern kann.


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Auf dieser Marke ist ein moderner Yachtkompass abgebildet. Er ist heute auf fast allen Segelbooten zu finden, die längere Fahrten unternehmen.
Unter dem Kompass ist ein Krängungsmesser zu sehen. Mi Krängung auch Schlagseite bezeichnet man die Neigung von Schiffen zur Seite.


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Mit einem Peilkompass kann man sichtbare Landmarken anpeilen um die Schiffsposition zu bestimmen. Schon die Wikinger benutzten Peilscheiben (Marke links), mit der allerdings der Sonnenschatten gemessen wurde. Siehe hierzu die Navigationsseite. Der Peilkompass hat einen Peilaufsatz (auf der rechten Marke links) mit dem man das zu peilende Objekt anvisiert und dann die Richtung am Kompass abliest. Daraus wird dann eine Standlinie berechnet und in die Seekarte eingetragen. Auf dieser Linie befindet sich das Schiff.


Vespucci
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Auf vielen alten Seekarten finden wir bunte Kompassrosen und ein Netzwerk von Linien, die sich alle bei festen Punkten treffen, rechte Marke. Diese Karten erschienen ab dem 12. Jahrhundert und werden 'Portulane' genannt. Es ist bis heute nicht erwiesen, welche Funktion diese Linien hatten, denn sie sind keine Breitengrade und Längenmeridiane. Sie sind sicher als Navigationshilfe und auch als Kartenschmuck gedacht.


Oerstedt
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1820 beobachtete der Däne H.-Chr. Ørsted die Ablenkung einer Magnetnadel durch den elektrischen Strom und hatte damit den Elektromagnetismus entdeckt, linke Marke. Der Franzose Foucault, bekannt durch sein 'Foucaultsches Pendel', brachte 1852 die Idee des Kreiselkompasses auf den Weg. Die Achse eines rotierenden Kreisels wird durch die Erdrotation in die Nordrichtung gelenkt, sie zeigt zum geographischen Nordpol! Dieses Kreiselgesetz wird bei dem Kreiselkompass genutzt, der unabhängig vom Magnetfeld der Erde ist. Der Deutsche Hermann Anschütz-Kaempfe baute den ersten funktionierenden Kreiselkompass. In ihm rotierte ein Kreisel mit 20.000 Umdrehungen pro Minute, siehe rechte Karte.
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Vor 100 Jahren, 1904 führte H. Anschütz-Kaempfe die ersten See-Erprobungen seines Kreiselkompasses auf dem Salondampfer 'Schleswig' auf der Kieler Förde durch. Sie waren so erfolgreich, dass er noch im gleichen Jahr ein Patent darauf anmeldete. Es folgten Verbesserungen mit einem Dreikreisel- und dem heute üblichen Zweikreiselsystem. Dieser Kompass steht in einem geschuetzten Innenraum des Schiffes und wird Mutterkompass genannt. Auf der Brücke am Steuerstand, im Funkpeiler, Radar und in den Brückenocken sind die Tochterkompasse installiert, die ihre Anzeige vom Mutterkompass bekommen. Durch die Fahrt des Schiffes kann bei einem Kreiselkompass ein Fahrtfehler entstehen, der aber vernachlässigbar klein ist.


Die Rotation des Kreiselkompasses wird mit Strom erzeugt. Wegen dieser Stromabhängigkeit haben viele Schiffe noch einen Magnetkompass, meist oberhalb der Brücke auf dem Peildeck.
1913 wurde auf dem HAPAG Neubau 'Imperator' ein Anschütz Dreikreiselkompass eingebaut, Marke rechts.
1920 entwickelte Anschütz-Kaempfe auch die erste Selbststeueranlage für die Schiffahrt.
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