Diese Seite zeigt die unterschiedlichsten Typen von Rettungsbooten und Rettungskreuzern.


In der Antike empfanden es die Küstenbewohner als natürliches Recht, das zu nehmen, was ihnen das Meer gab. Dies betraf auch die Ladung gestrandeter Schiffe samt Menschen und deren persönliche Habe. Den Strandungen wurde manchmal durch Versetzen von Feuern und Landmarken nachgeholfen. Anstatt Menschen in Seenot zu retten liess man sie ertrinken bzw. wurden sie erschlagen falls sie das Ufer erreichten.
Doch ab dem 11. Jahrhundert setzte in Europa ein Wechsel von der Strandwillkür zu einem Strandrecht ein. Es galt das Leben der Schiffbrüchigen "zu schonen und ihnen behilflich zu sein".
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Im Mittelalter wurde der Rettungsdienst in erster Linie von den Fischern durchgeführt. Im 18. Jahrhundert bildeten sich erste Gesellschaften, die sich auch um Schiffbrüchige kümmerten.
Im 19. Jahrhundert wurde damit begonnen, den Seenotrettungsdienst organisatorisch in den Griff zu bekommen, es wurden in Europa die ersten Rettungsgeselllschaften gegründet.


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In Küstennähe geschehen mehr Seenotunfälle als auf hoher See. Die Schiffe laufen auf Sandbänke, Riffe oder treiben an den Strand. Dabei werden sie von Strömungen versetzt, ein Sturm wirft sie an die Küste, schlechte Sicht (Nebel) beeinträchtigt die Navigation oder ein Maschinenausfall macht die Schiffe steuerlos.
Ab Mitte 19. Jahrhundert wurden von den Rettungsgesellschaften sogenannte Hosenbojen eingesetzt. Eine Hosenboje ist ein Rettungsring, an dem ein Sack befestigt ist, der zwei offene Hosenbeine hat. Dort konnte sich eine Person hinneinsetzen und saß dort relativ sicher.


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Es wurde mit einem Mörser, später einer Rakete, ein Seil von Land aus zu dem gestrandeten Schiff geschossen. Mit diesem dünnen Seil wurde ein dickeres Seil mit Block zum Schiff gezogen. Und am dicken Seil wurde unter dem laufenden Block eine Hosenboje befestigt, mit der man die Schiffbrüchigen an Land ziehen konnte.
Auf den beiden oberen Marken sehen wir die Leinenverbindung zwischen gestrandetem Schiff und dem Land, ein Schiffbrüchiger wird zum Ufer gezogen. Links ist eine Leinenverbindung zwischen Leuchtturm und einem Boot dargestellt.



Seenotrettung wurde bis zum 19. Jahrhundert mit normalen Ruderbooten, das waren hauptsächlich Fischerboote, durchgeführt.
Allerdings wurde bereits 1765 in Paris ein unsinkbares Rettungsboot vorgestellt. Es enthielt luftdichte Kästen als Auftriebhilfe.
Als Erfinder des ersten Rettungsbootes hat sich der Engländer Lionel Lukin selbst bezeichnet, als er 1785 eine nachgebaute norwegische Jolle als unsinkbares Rettungsboot vorstellte.
In Europa und Amerika wurde weiter an optimalen Ruderrettungsbooten gebastelt. Henry Greathead baute 1789 sein "Life Boat THE ORIGINAL". Und ein ganzes Jahrhundert gab es den "Norfolk and Suffolk" Rettungsbootstyp.


Die Ruderrettungsboote wurden alle mit Luftkästen für Unsinkbarkeit und einem beschwerten Kiel gegen Kenterung bzw. zur Selbstaufrichtung gebaut. Bug und Heck hatten eine Abdeckung, aussenbords waren Greifleinen angebracht.
Links ist das Rettungsboot "Vincent Kirk Ella" abgebildet; Länge 10,5 m, Breite 2,5m, Gewicht 3,6 Tonnen, gebaut 1888, 12 Riemen, Besatzung 13 Mann.
Rechts das Rettungsboot "John Lockett"; gebaut 1875 in London, 2,5 ts, Länge 10m, Breite 2,5m, 10 Riemen; 13 Mann Besatzung.


Die Ruderrettungsboote befanden sich in Schuppen und wurden im Ernstfall mit Pferdefuhrwerken an den Strand gezogen. Das gesamte Pferdegespann musste soweit ins Wasser, bis das Rettungsboot aufschwamm und vom Wagen abgekippt werden konnte.
Links im Stempel ist das deutsche Boot "Fürst Bismarck" abgebildet; gebaut 1893, Länge 8,5m. Mit diesem Boot wurden die Besatzungen von vier Havaristen erfolgreich gerettet.
Das "Deutsche Einheitsboot" durfte nicht zu schwer sein, damit es durch die Dünen flott transportiert werden konnte. Es hatte eine Aussenhaut aus Eisenblech, hatte eine Länge von 7,5 bis 9,5m, eine Breite von 2,5m und einenTiefgang von nur 35 cm. Es hatte Masten, Segel, Riemen und einen Treibanker, der das "Dwarswerfen" verhindern sollte.


Hier sehen wir zweimal Rettungsboote im Einsatz. Auf der linken Marke werden Seeleute vom Feuerschiff "Daunt Rock" abgeborgen, das in einem schweren Sturm aus seiner Verankerung gerissen worden war. Sie sprangen in die tobende See und wurden vom Rettungsboot "Mary Stanford" aufgefischt (1936 vor Cork, Irland).
Rechts ist die Brigg "Tilly" zu sehen, die vor Lüderitz 1885 von einem Nordweststurm auf ein Riff geworfen wurde. Die Besatzung konnte mit Rettungsbooten geborgen werden.


Viele Ruderrettungsboote waren mit einem oder zwei Masten ausgerüstet. Daran wurden meistens eine Fock und ein Großsegel mit Luggertakelung gesetzt. (Das erkennt man daran, dass die Spiere, an dem das Segel befestigt ist, seitlich am Mast vorbei führt.) Gegen die Abdrift beim Segeln hatten die meisten Boote ein Schwert.
Links ein 13m langes Rettungsboot mit Besegelung der britischen RNLI von 1887 (Royal National Lifeboat Institution).
Rechts das Rettungsboot "Arthur Lionel"; gebaut 1912, Gewicht 4 ts, Länge 10,8m, Breite 3m, 12 Riemen, 15 Mann Besatzung.


Die norwegische Rettungsorganisation wurde wegen den erfolgreichen Fahrten des "Colin Archer" Bootes berühmt; benannt nach dem Erbauer gleichen Namens. Es war eine gaffelgetakelte Ketsch, Länge 13,6m, Breite 4,6m, Tiefgang 2,4m und vier Mann Besatzung. Ab 1893 hat sich dieser Bootstyp über 40 Jahre als Rettungs- und Lotsenboot bewährt. Dieses stabile, seetüchtige Fahrzeug wird noch heute im Yachtbau kopiert.
Colin Archer hat u.a. auch die "Fram" für Fridjof Nansen gebaut.


Die ersten Dampfschiffe hatten einen Schaufelradantrieb, der für Rettungsboote ungeeignet war. Ein Längsseitsgehen an einem Havaristen war unmöglich. Dampfschlepper zogen deshalb die Ruderrettungsboote in die Nähe des Havaristen.
Doch um die Jahrhundertwende wurden die ersten Dampfrettungsboote mit einem Schraubenantrieb gebaut.
Links das finnische Seenotrettungsboot "Merikokko", trotz Motor hat es auch Besegelung.
In der Mitte die britische "Queen Victoria", gebaut 1929, Länge 15,5m, Breite 4m, Besatzung 7/8 Mann, 9kn, 120 sm Operationsbereich.
Rechts das deutsche Boot "Konsul Kleyenstüber" ab 1941/44 "Bremen", gebaut 1931, L-16,2m, B-4,2m, T-1,3m, 9kn, 2 Schrauben!

Zwei Motorrettungsboote konnten wegen der hohen Geschwindigkeit und dem großen Operationsradius fünf Segel- oder Ruderrettungsboote ersetzen.


Links oben sehen wir den französischen Rettungskreuzer "Pierre Loti", gebaut 1973, 14,5 kn.
Daneben den finnischen Rettungsschlepper "Niilo Saarinen", gebaut 1961, L-14,9m B-5m T-1,8m, 9,5 kn.
Links die britische "Euphrosyne Kendal", gebaut 1954, Länge 16m, 8 Mann Besatzung. Auf allen drei Booten sind Radarantennen erkennbar.


Links ist das polnische Rettungsschiff R-1 abgebildet.
Rechts der deutsche Seenotrettungskreuzer "Georg Breusing". Daten: erbaut 1963, L-26,6 B-5,6 T-1,6m, 525 PS, 24kn, 8 Mann Besatzung.
Alle Rettungskreuzer hatten einen tiefen Gewichtsschwerpunkt; warf sie eine See auf die Seite oder kenterten sie durch, richteten sie sich selbst wieder auf! Die deutschen Rettungskreuzer führten im Heck ein sogenanntes "Tochterboot" mit. Mit diesem Boot konnte man Gebiete mit extremen Niedrigwasser erreichen, z.B. bei der Tide in der Nordsee.


Die deutschen Rettungskreuzer hatten auf dem Vorschiff ein Sprungnetz.
Ferner hatten sie ein Hospital an Bord, eine komplette Feuerlöschausrüstung und einen geschlossenen Fahrstand für einen Gasschutzbetrieb.


Links ist der britische Seenotkreuzer "Thomas James King" im Einsatz abgebildet. Das Boot wurde 1975 gebaut, 1983 bei seinem Einsatz mit der französischen Jacht "Cythara" schwer beschädigt und 1984 nach erfolgter Reparatur wieder in Dienst gestellt.
Rechts kämpft sich ein schwedischer Rettungskreuzer an einen Havaristen heran.


Heutige britische Rettungskreuzer: Links oben die "The Gough Ritchie", die heute in Chile eingesetzt wird, daneben die 17m lange und 25 kn schnelle "Barra".
Links ein ins Wasser rutschendes Rettungsboot der RNLI, das einem Schiff, welches ein rotes Seenotsignal abgeschossen hat, zur Hilfe eilt.


Auf diesen Marken ist zu sehen, daß heute vielfach Hubschrauber eingesetzt werden. Es ist die sicherste Art Seeleute von einem Havaristen zu bergen. Rettungskreuzer und Helikopter arbeiten dabei zusammen.
Links ist ein schwedisches Boot der Victoria Klasse zu sehen. Mit 38 kn ist es das wohl schnellste Rettungsboot der Welt. Auf der mittleren Marke sehen wir im Vordergrund einen "Rescue-Runner", ein schnelles Spezialboot um Menschen aus der See aufzunehmen.
Das britische Boot ist ein "Oakley" Typ.


Auf Binnengewässern und in Küstennähe werden auch Schlauchboote und sogenannte "halbstarre" Boote eingesetzt. Halbstarre Boote sind eine Kombination zwischen einem festen Boot und einem Schlauchboot. Der Bootskörper besteht aus Kunststoff oder Aluminium. Daraus resultiert eine hohe Geschwindigkeit und gute Manövrierfähigkeit. Ein Schlauchwulst um den Rumpf bewirkt gute Stabilität bei zunehmender Belastung.


Hier zwei weitere schnelle Rettungskreuzer aus Südafrika ("Spirit of Rotary", 25kn) und Norwegen ("Skomvaer III").
Aber es geht auch mit Freizeitbooten, wie die Marke rechts zeigt.


Der globale Klimawandel mit stärkeren Stürmen und die zunehmende Zahl von Fähren und Passagierschiffen führte in Deutschland zur Entwicklung eines neuen grossen Rettungskreuzers.
Es ist die "Hermann Marwede",
    hier einige Daten:
  • L-46m, B-10,25m, T-2,80,
  • Verdrängung 404 t,
  • drei Motoren mit 9.250 PS, drei Propeller,
  • Geschwindigkeit 25 kn, Bugstrahlruder,
  • Besatzung 6 Mann,
  • Bordhospital, Feuerlöschanlage,
  • Deckkran, Hubschrauberarbeitsdeck,
  • Fremdlenzanlage,
  • 9,41m langes Tochterboot mit 18 kn Geschwindigkeit.


Hier einige Männer von den Rettungsbooten; links noch mit Korkwesten ausgerüstet, rechts schon mit aufblasbarer Weste und Rettungsgurt.


Die Deutsche Gesellschft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) verfügt über eine Rettungsflotte von 60 Seenotkreuzern und Seenotrettungsbooten auf 57 Stationen an Nord- und Ostsee (Stand 2013).
Einsatzzentrale für alle Maßnahmen im maritimen SAR Dienst (Search and Rescue) ist die Seenotleitung Bremen (MRCC, Maritime Rescue Co-ordination Centre).
Seit ihrer Gründung 1865 hat die DGzRS bis 2013 insgesamt 80.198 Menschen aus Seenot gerettet oder aus lebensbedrohender Gefahr befreit.
Die DGzRS finanziert sich ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen und ohne Steuergelder.


Quellen:

Wikipedia Internet Lexikon
J.Lachs, T. Zollmann, Seenotrettung an Nord- und Ostsee, DSV Verlag 1998
W. Esmann, die Rettungsboote der DGzRS von 1865 - 2004, Hauschild Verlag, 2004

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